Im Abstiegskampf der Bundesliga oder im Wahlkampf werden gerne markige Worte verwendet. So lässt sich leicht von den eigenen Fehlern ablenken. Auch vor dem Beginn von Tarifrunden ist dies ein probates Mittel von Unternehmen. „Ich glaube, dass die Leute im Bankensektor zu viel verdienen…", sagte zum Beispiel Deutsche Bank-Chef John Cryan in einem Interview.

Wer denkt, dass er damit die Spitzengehälter der Investmentbanker meinte, der täuscht sich gewaltig. Denn der Bank-Chef weiter: „Unsere Gehälter in den Backoffices sind zu hoch…". Damit hat sich der „frisch gebackene" Deutsche Bank-Chef schon im Vorfeld der Tarifrunde Banken gründlich verrannt.

Ein Blick zurück lohnt sich

Wir erinnern uns: Kirch-Pleite, Libor-Skandal oder CO2-Zertifikate-Handel. Das sind nur drei von vielen Skandalen, die das Unternehmen derzeit beschäftigen und deren Rechtsstreitigkeiten die Bilanz extrem belasten. Für Managementfehler und unlautere Geschäftspraktiken müssen jetzt hohe Geldsummen aufgebracht werden und die tariflich Beschäftigten sollen dafür bezahlen.

Im Gegensatz dazu hat sich die Commerzbank nach der Finanzkrise wieder verstärkt auf das Privatkundengeschäft konzentriert. Seit Ende 2012 konnte die Bank über 800.000 neue Kunden gewinnen und erwirtschaftete in 2015 über eine Milliarde Euro Gewinn. Besonders stark hat sich das klassische Bankgeschäft mit Privatkunden entwickelt.

In der gesamten Branche ist es vor allem die Belegschaft, die seit Jahren für Fehler in den Vorstandsetagen zahlen muss. Doch gleichzeitig stellt sie das wichtigste Kapital der Unternehmen dar. Seit 2005 wurden über 50.000 Stellen im Bankengewerbe abgebaut – in der Hauptsache bei den Großbanken. Gleichzeitig wuchsen die Anforderungen an die Angestellten, wie etwa im Hinblick auf den steigenden Vertriebsdruck. Zusätzlich sind die Gehälter der Bankangestellten im Vergleich mit den Löhnen der Tarifbeschäftigten in der Gesamtwirtschaft weniger stark gestiegen.
    Zwischen 2000 und 2014 verzeichnete nur der Einzelhandel eine schlechtere Entwicklung bei den Tariflöhnen. Während die Metall- und die chemische Industrie die höchsten Gehaltssteigerungen in 2014 verbuchen konnten, wurden im Bankensektor gerade einmal die Realeinkünfte gesichert.

    Spielraum für Gehaltserhöhungen

    So kann und darf es nicht weitergehen. Die Beschäftigten haben bereits doppelt für die Finanzmarktkrise bezahlt – als Steuerzahler und als Gehaltsempfänger. Aber sie sind es, die mit ihrer kompetenten Arbeit die Unternehmensgewinne realisieren. Jetzt müssen sie auch wieder daran beteiligt werden. Das ist auch volkswirtschaftlich geboten, schließlich ist der private Konsum der stärkste Treiber des Wachstums und gerade in Zeiten einer schwächelnden Weltwirtschaft unentbehrlich.

    In den letzten Jahren stieg die Produktivität im Schnitt um 1,5 Prozent. Die EZB gibt eine Zielinflation von zwei Prozent an. Es ist also ein Verteilungsspielraum von 3,5 Prozent gegeben. Die Tariflöhne im Bankensektor müssen eine deutliche Steigerung nachvollziehen, sonst werden die Beschäftigten endgültig von der allgemeinen Gehaltsentwicklung abgekoppelt.

    Gemeinsam stark für faire Bezahlung

    Wenn John Cryan sagt, dass „der Rest des Unternehmens mehr im Gleichklang mit dem Rest der Wirtschaft bezahlt werden muss…", dann freuen wir uns darüber. Wir werden ihn und die anderen Bankenchefs gerne daran erinnern – bei den Tarifverhandlungen im Mai 2016. In diesem Sinne organisieren wir uns – für faire Tariflöhne im Bankgewerbe!
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    John Doey

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